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Lebendig - aktiv - gestaltend

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Landesfrauensprecherin Uta Schmalfuß (von links), Landtagsabgeordnete Gerda Kieninger (SPD), 2. Landesvorsitzende Angelika Winkler, Landtagsabgeordnete Barbara Steffens (Grüne) und die Vorsitzende des FrauenRat NW Dr. Patricia Aden diskutierten aktuelle Themen der Frauenpolitik.

90 Jahre frauenpolitisches Engagement im SoVD

'Das Frauenthema ist noch nicht erledigt'

„Lebendig – aktiv – gestaltend“ – unter diesem Motto hat der Landesfrauenausschuss des SoVD NRW das 90-jährige frauenpolitische Engagement im Verband gefeiert. Mit vielen Ehrengästen aus Politik, befreundeten Verbänden, SoVD-Frauensprecherinnen aus den Gliederungen und Mitgliedern aus dem Landesvorstand blickte Landesfrauensprecherin Uta Schmalfuß in die bewegende Verbandsgeschichte zurück. Vieles konnte in den vergangenen Jahrzehnten für die soziale Sicherung von Frauen erreicht werden, aber von Gleichstellung kann noch lange nicht gesprochen werden. Der SoVD fordert deshalb gezielte Maßnahmen auf Bundes- und Landesebene, um die Benachteiligung von Frauen überwinden zu können.

 „Wer glaubt, wir hätten die Gleichstellung bereits erreicht, nur weil wir heute selbstbestimmter als unsere Mütter und Großmütter leben, der irrt“, sagte Uta Schmalfuß in ihrer Eröffnungsrede. In ihrem historischen Rückblick stellte sie dar, wie Frauen in den vergangenen Jahrzehnten ihre Rechte mühsam erkämpften. Manchem Fortschritt folgte ein Rückschritt. Uta Schmalfuß kritisierte, dass einige Fördermaßnahmen inzwischen gekürzt oder ganz aufgegeben wurden. „Das Erreichte zu sichern ist deshalb genauso wichtig wie Neues zu fordern.“

Landtagspräsidentin Regina van Dinther, die auch die Schirmfrauschaft über die Veranstaltung übernommen hatte, stellte klar: „Das Frauenthema ist nicht erledigt. Weder in Vorstandsposten noch im Geldbeutel zahlt sich der weibliche Bildungsvorsprung bisher aus. Es bedarf immer noch großer Anstrengungen, um dem Gleichheitsgebot unserer Verfassung Geltung zu verschaffen.“ Sie dankte den Frauen im SoVD für ihr beharrliches Engagement und forderte sie auf, sich auch weiterhin für eine stärkere gesellschaftliche Position der Frauen einzusetzen.

Die 2. Landesvorsitzende des SoVD NRW, Angelika Winkler, kritisierte in ihrem Beitrag die einseitige Entwicklung der Frauenpolitik hin zur reinen Familienpolitik: „Zweifelsohne ist die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Mutterschaft ein wichtiger Bereich, in dem es großen Handlungsbedarf gibt. Aber wer Gleichstellung will, muss sich für die Belange der Frauen in allen Bereichen einsetzen.“ Angelika Winkler sprach sich für eine stärkere Frauenförderpolitik am Arbeitsmarkt und in der Gesundheitsversorgung aus. Es sei ein falscher Weg gewesen, den Regionalstellen „Frau und Beruf“ sowie den Landesfachstellen „Frau und Gesundheit“ die Mittel zu streichen und somit wichtige frauenspezifische Infrastrukturen aufzugeben. Auch sehe der SoVD mit großer Sorge, dass die Landesregierung die Mittel für Frauenhäuser und Präventionsmaßnahmen gegen sexuelle Gewalt drastisch gekürzt habe. „Wir dürfen Frauen, die von Gewalt bedroht sind, nicht im Stich lassen. Wichtige Maßnahmen, um Frauen zu schützen, müssen verstärkt werden.“

Staatssekretärin Marion Gierden-Jülich sagte, dass es zwar Fortschritte bei der Gleichstellung von Frauen hinsichtlich Bildung und Berufstätigkeit gegeben habe. So würden heute mehr Frauen in naturwissenschaftlichen Berufen Fuß fassen als in den vergangenen Jahren. „Aber von einem durchgängigen Durchmarsch können wir noch lange nicht sprechen. Es bedarf weiterhin einer umfassenden Strategie zur Förderung von Frauen.“

Bundesfrauensprecherin Edda Schliepack ging in ihrer Festrede auf die Lohnungleichheit ein: „Eine Frau muss in Deutschland fast fünfzehn Monate arbeiten, um dasselbe zu verdienen wie ein Mann in zwölf Monaten. Diese Dis-kriminierung muss ein Ende haben.“ Unternehmen, Gewerkschaften und Politik seien dringend gefordert, diesen Missstand zu beseitigen. Auch die Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns sei dringend geboten. „Überdurchschnittlich viele Frauen arbeiten im Niedriglohnbereich. Wir müssen sie wirksam vor Armut schützen“, betonte Schliepack. „Denn wenn der Lohn schon nicht ausreicht, um das Leben zu sichern, dann reicht die Rente, die diese Frauen einmal bekommen werden, erst recht nicht.“

Eine weitere Ursache für das erhebliche Armutsrisiko von Frauen sei die fehlende Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Pflege. Hier habe es zwar Fortschritte gegeben; familienfreundliche Unternehmen sowie qualifizierte und bezahlbare Kinderbetreuungsangebote fehlten aber nach wie vor in der Fläche. Frauen leisteten nicht nur Familienarbeit, sondern Pflegearbeit. Der Verband kämpfe daher weiterhin für die Entlastung der pflegenden Angehörigen, die zu 70 Prozent Frauen sind und oftmals bis an die Grenzen ihrer Kraft pflegten.

Dr. Patricia Aden, Vorsitzende des FrauenRats NW, stellte dar, dass das soziale Engagement eines der wichtigsten Themen von Frauen ist. „Der Grundgedanke dabei ist, dass man den Einzelnen in einer Notlage nicht alleine lässt, sondern gemeinsam für ihn eintritt. Dabei erfüllt der SoVD eine wichtige Aufgabe.“

Gertrud Servos überbrachte die Glückwünsche des Netzwerks von Frauen und Mädchen mit Behinderung. „Viele von uns Frauen haben beim SoVD ihre ersten Erfahrungen für die sozialpolitische Arbeit gesammelt. Bis heute engagieren sich viele Frauen ehrenamtlich. Würden sie dafür Rentenansprüche erhalten, müssten sie sich keine Sorgen um ihre Alterssicherung machen.“

 

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