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Pressemitteilung vom 1.2.2012

Entlastung der Pflegenden ist wichtige Voraussetzung zum Schutz vor Gewalt

Aus Anlass der heutigen Fachtagung des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums zur Gewalt in der Pflege erklärt die 1. Landesvorsitzende Gerda Bertram: 

„Wer Gewalt in der Pflege verhindern will, muss auch für angemessene Arbeitsbedingungen der haupt- und ehrenamtlich Pflegenden sorgen. Chronische Zeitnot, Überlastung und Überforderung lassen pflegenden Angehörigen und professionellen Pflegekräften wenig Spielraum, um mit Pflegesituationen, in denen es zu Gewalt kommen kann, deeskalierend umzugehen. Eine Verbesserung der Personalausstattung der Pflegeeinrichtungen und ein deutlich höherer Anteil professioneller Pflege und Betreuung zu Hause, der von der Pflegeversicherung bezahlt wird, sind aus Sicht des SoVD NRW notwendige Voraussetzung für eine gewaltfreie Pflege. 

Es ist Gewalt, wenn Pflegebedürftige künstlich ernährt werden, Windeln tragen und beruhigende Medikamente nehmen müssen, allein weil den Pflegekräften die Zeit für die bedarfsgerechte Betreuung beim Essen, Toilettengang und in der Nacht fehlt. Es ist auch Gewalt, wenn die pflegende Tochter  die demenzerkrankte Mutter für eine Stunde einschließen muss, weil sonst der Zusammenbruch droht.  

Zwei Drittel der rund 509.000 in NRW als pflegebedürftig anerkannten Menschen, werden von Familienmitgliedern zuhause gepflegt. Zwei Drittel dieser Angehörigen wiederum pflegen ohne professionelle Unterstützung und Entlastung. Im Falle von demenzerkrankten Pflegebedürftigen leisten sie nicht selten bis zu 60 Stunden Pflegearbeit in der Woche. 

Der Umfang häuslicher Unterstützung durch professionelle Pflegedienste, der von der Pflegeversicherung übernommen wird, ist viel zu gering. Die Personalausstattung in den Heimen reicht ebenfalls bei Weitem nicht aus, um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden.“




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