SoVD - Sozialverband Deutschland e.V. - Startseite

Fachtagung Frauen und Gesundheit 2014

Sehr gespannt verfolgten rund 50 Frauen aus den Gliederungen des SoVD NRW den vielfältigen Vorträgen. Foto: SoVD NRW

Vorsicht beim Geschäft mit der Angst

Frauen und Männer sind anders - das gilt ganz besonders mit Blick auf ihren Bedarf in der Gesundheitsversorgung. Denn bislang werden beide Geschlechter behandelt, als wären sie gleich. Das bringt oft negative Folgen für die Patientinnen mit sich: Denn manche Krankheiten äußern sich bei Frau und Mann unterschiedlich. Daher ist auch eine individuell angepasste Behandlung von Nöten. Die geschlechterspezifische Gesundheitsversorgung muss aber nicht nur den biologischen Unterschied, sondern auch die unterschiedlichen Lebenslagen von Frau und Mann im Blick haben.

Rund 50 Frauen waren der Einladung von Landesfrauensprecherin Gabriele Helbig ins Commundo-Hotel nach Neuss gefolgt. Sie erlebten ein vielseitiges Vortrags- und Diskussionsprogramm, das die Vielschichtigkeit des Themas beleuchtete. Zum Auftakt machte Gabriele Helbig den Kern des Problems deutlich: „In der traditionellen Gesundheitsforschung war der Mensch ein Mann. Männer sind der Ausgangspunkt für die medizinische Forschung und Therapie. Diese Gleichbehandlung führt aber zu einer erheblichen Benachteiligung, weil die Frauen dadurch zu viel, zu wenig oder sogar falsch behandelt werden. Der SoVD macht auf dieses Problem seit Jahren aufmerksam und kämpft für die geschlechterspezifische Gesundheitsversorgung.“

Die 2. Landesvorsitzende Renate Falk ergänzte, dass eine bessere Berücksichtigung des kleinen Unterschieds auch zu einer besseren Gesundheitsversorgung insgesamt beitragen könne, da Ressourcen besser eingesetzt werden könnten: „Wir brauchen eine gezielte und wirksame Prävention und eine passgenaue, individuelle Behandlung von Frauen. Damit nützen wir nicht nur den Frauen selbst, sondern wir sorgen auch für mehr Wirtschaftlichkeit im Gesundheitssystem.“ Dies konnte auch die Landtagsabgeordnete Inge Howe unterstreichen, die im Jahre 2000 an der „Enquetekommission zur Zukunft einer frauengerechten Gesundheitsversorgung“ mitarbeitete: „Im Gutachten wurde seinerzeit belegt, dass durch falsche Diagnostik und Behandlung rund 70 Millionen Euro jährlich eingespart werden können.“ Besorgniserregend sei auch, dass Frauen viel schneller und häufiger Psychopharmaka verordnet bekämen als Männer und dies auch in einigen Fällen von Rheuma, obwohl die Gabe von Rheumamittel angezeigt sei. Howe ergänzte, dass auch die verschiedenen Lebenslagen und die besonderen Probleme von Frauen in der Gesundheitspolitik stärker berücksichtigt werden müssten. Dazu zählten die Doppelbelastung im Zusammenhang mit Erwerbstätigkeit und Familienarbeit ebenso wie die Gewalt an Frauen und Mädchen. Dies betonte auch SoVD-Bundesfrauensprecherin Edda Schliepack in ihrem Grußwort. Sie nannte Frauen und Mädchen mit Behinderungen, die auf vielfältige Weise benachteiligt seien und deren Belange dringend in den Fokus von Forschung, Prävention und Behandlung gerückt werden müssten. Dr. Ellen Kuhlmann von der technischen Universität in Dortmund wies in ihrem Beitrag ergänzend auf die Benachteiligung von Frauen als Teil des medizinischen Personals hin. Frauen seien im Gesundheitssystem vor allem im belastenden und schlecht bezahlten Bereich der medizinischen Versorgung tätig. Während die Anzahl an männlichen Fachärzten insgesamt steige, würden die Einsparungen auf den Krankenschwestern ausgetragen. Hier habe es einen massiven Abbau der Arbeitsplätze gegeben.

Im zweiten Teil der Veranstaltung lag der Schwerpunkt auf praktischen Erfahrungen als Patientinnen im System. Sehr großes Interesse fand der Vortrag von Dr. Annegret Gutzmann, Gynäkologin aus Köln. Sie klärte über Risiken und Sinnlosigkeit von privaten Zusatzleistungen auf. „Beim Geschäft mit der Angst verlieren Patientinnen und Ärzte. Denn die Patientinnen bekommen technische Leistungen mit zweifelhaftem Nutzen verkauft. Dabei würde den Frauen ein Gespräch mit umfassender Aufklärung viel mehr nutzen.“

Diese Ansicht teilte auch Dr. Catrin Mautner-Lison, Oberärztin der Tagesklinik Ulmenhof und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Mit ihrem Fachvortrag rundete Dr. Mautner-Lison die Veranstaltung ab und ging auf die Unterschiede zwischen Mann und Frau bei psychischen Erkrankungen ein.

Hier geht es zur Bildergalerie




>> Zum Seitenanfang