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SoVD Nordrhein-Westfalen e.V.

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Bericht Daheim statt Heim 17.03.08

"Wir wollen, dass Behinderte und Pflegebedürftige in der Mitte unserer Gesellschaft leben"

Trotz aller Bekenntnisse zu "ambulant vor stationär": Immer mehr behinderte und pflegebedürftige Menschen leben in Heimen und nicht in ambulanten Wohnformen. Aus diesem Anlass hat der SoVD NRW gemeinsam mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) die Initiative "Daheim statt Heim" im Horionhaus in Köln vorgestellt. An der ganztägigen Veranstaltung nahmen neben einigen Gästen aus Politik, Verwaltung und befreundeten Verbänden auch Vertreterinnen und Vertreter aus den Gliederungen des SoVD NRW teil. Vorträge und Grußworte standen auf dem Programm.

"Der einzelne Mensch mit Behinderung muss als Experte in eigener Sache betrachtet werden. Wir müssen gemeinsam mit ihm das für ihn optimale Unterstützungsangebot finden und vor Ort umsetzen", sagte Corinna Beck, stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung in ihrer Begrüßungsrede. Beck wies darauf hin, dass die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe arbeiteten seit Jahren daran arbeiten, immer mehr behinderten Menschen ein selbstbestimmtes Leben in ambulanten Wohnformen zu ermöglichen. So sollen künftig keine neuen Heimplätze bewilligt werden. Darüber hinaus vereinbarten die Landschaftsverbände mit den Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrt, dass bis 2009 rund 3500 mehr behinderte Menschen in NRW statt im Heim in einer eigenen Wohnung leben können.

Landesvorsitzende und Vizepräsidentin Marianne Saarholz begrüßte die Fortschritte, die die beiden Landschaftsverbände hinsichtlich der Ambulantisierung erreicht haben. Sie wies aber auch darauf hin, dass weitere Anstrengungen erforderlich sind: "Der Anteil der Betroffenen in ambulanten Wohnformen steigt: Lebten Ende 2004 noch drei Viertel der Menschen mit Behinderungen im Heim, so waren es Mitte 2006 nur noch zwei Drittel. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber die Zahl der Heimunterbringungen insgesamt ist nicht gesunken." Bislang profitierten nur die Menschen mit geringem Unterstützungsbedarf von der Ambulantisierung. Betroffene mit hohem Unterstützungsbedarf hätten dagegen selten eine Chance, in ambulante Wohnformen zu ziehen. "Wir sind noch weit davon entfernt, die Dominanz der Heimversorgung zu beenden", zog Saarholz Bilanz. Sie forderte deshalb den Ausbau gemeindenaher, professioneller und umfassender Unterstützungsangebote sowie alternativer Wohn- und Betreuungsformen. "Denn wir wollen, dass behinderte und pflegebedürftige Menschen in der Mitte unserer Gesellschaft leben können."

Silvia Schmidt, Initiatorin von "Daheimstatt Heim" sagte, dass neben dem Aufbau der gemeindenahen, vernetzten Unterstützungsangebote die barrierefreie Gestaltung der Wohnungen und des Wohnumfeldes von elementarer Bedeutung sei. "Bislang haben wir bundesweit nur 30.000 barrierefreie Wohnungen in Deutschland. Wir brauchen aber 13 Millionen. Wir müssen dringend Kommunalpolitiker für das barrierefreie Bauen sensibilisieren, denn sonst werden wir in Zukunft verwaiste Städte haben." Schmidt kritisierte darüber hinaus die Behinderten- und Pflegepolitik der vergangenen Jahrzehnte: "Wir reden über so genannte Integration. Dabei haben wir die behinderten und pflegebedürftigen Menschen in den vergangenen Jahrzehnten selbst an den Rand gedrängt. Wir haben die Sonderwelten wie zum Beispiel Sonderschulen und Heime doch erst geschaffen. Jetzt geht es darum, die Menschen wieder zurückzuholen."

Regina Schmidt-Zadel, Vorsitzende der "Aktion psychisch Kranke", wies auf das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen hin: "Wir finden es normal, dass 20-Jährige ihr Leben selbst bestimmen dürfen. Aber wir muten Menschen über 80 Jahre zu, dass sie mit wildfremden Menschen ein Zimmer teilen müssen. Das kann nicht sein." Großen Nachbesserungsbedarf sieht Schmidt-Zadel im Ausbau der Beratungs- und Unterstützungsangebote im ländlichen Raum, hier würden die Menschen oft mit ihren Problemen allein gelassen. Oftmals müssten weite Wege in Kauf genommen werden, um allein schon kompetente Beratung zu bekommen.

Landesbehindertenbeauftragte Angelika Gemkow hob in ihrem Grußwort die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements für die Zukunft der Pflege hervor: "Wir müssen das soziale Ehrenamt für die Pflege stärken und ein verlässliches Netz sozialer Hilfen aufbauen."

Derzeit lebt jeder dritte ältere Pflegebedürftige im Heim. Zwischen 1999 und 2005 ist an Rhein und Ruhr die Zahl der Pflegebedürftigen in stationärer Dauerpflege um über 12.000 Menschen gestiegen. Bei jüngeren behinderten Menschen liegt der Anteil der Heimunterbringungen bei durchschnittlich zwei Dritteln. Von den Menschen mit so genannter geistiger Behinderung leben neun von zehn in Heimen.

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