SoVD Nordrhein-Westfalen e.V.
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Landesfrauentagung 2008
17.11.2008

Frau offensiv - Beruf und Familie ein Erfolgsmodell oder ein Hindernislauf?
Unter dem Thema "Frau offensiv − Entscheidung für Beruf und Familie − Erfolgsmodell oder Hindernislauf?" hat Landesfrauensprecherin Uta Schmalfuß Frauensprecherinnen aus den Gremien und Gliederungen des Landesverbandes zur diesjährigen Landesfrauentagung nach Köln eingeladen. Fachreferentinnen und -referenten stellten dabei aktuelle Studien zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor.
Uta Schmalfuß konnte über 100 Frauen aus dem Landesverband begrüßen. In ihrer Eröffnungsrede sagte sie: "Frauen wollen sich nicht zwischen Beruf und Familie entscheiden müssen. Sie wollen beides. Damit dies möglich ist, brauchen wir Arbeitszeitregelungen, die flexible, aber verlässliche Anpassungsmöglichkeiten bieten, sowie ein ausreichendes Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen." Diese müssten vom ersten Lebensjahr des Kindes bis zum Ende der Ganztags-Schulzeit auch für Eltern mit geringem Einkommen verfügbar sein. Des Weiteren warnte die Landesfrauensprecherin vor einer wachsenden Altersarmut: "Frauen fehlen oft wichtige Beitragszeiten. Die sozialversicherungsfreien Tätigkeiten müssen zugunsten von regulären Arbeitsplätzen zurückgedrängt und die eigenständige Alterssicherung von Frauen in der gesetzlichen Rentenversicherung verbessert werden."
Bundesfrauensprecherin Edda Schliepack wies darauf hin, dass die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes unverzichtbar sei. Darüber hinaus müsse auch die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern bekämpft werden: "Es ist ein Skandal, wenn Frauen in manchen Bereichen fast ein Drittel weniger verdienen als Männer, obwohl sie die gleiche Arbeit leisten. Wir fordern gleichen Lohn für gleiche Arbeit."
In ihrem Grußwort blickte Landesvorsitzende Marianne Saarholz auf die lange Tradition der Frauenarbeit im SoVD zurück: "Seit über 90 Jahren setzen sich Frauen in unserem Verband für die Gleichstellung ein. Manches wurde erreicht, aber wir sehen auch, dass vieles leider immer noch nicht so ist, wie wir uns das wünschen." Den Frauen dankte sie für ihren Einsatz im Verband und ermutigte sie, sich weiterhin für die Frauenarbeit zu engagieren.
Thomas Kufen, Integrationsbeauftragter der Landesregierung, stellte die Situation der Migrantinnen in Deutschland dar. Das Risiko zu verarmen liege bei Menschen mit Migrationshintergrund bei 28 Prozent. Schlüssel für die wirksame Bekämpfung von Armut und für die erfolgreiche Integration seien Bildung und Sprache. "Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass Integration einfach so passiert. Integration ist harte Arbeit und sie ist nur dann möglich, wenn die Rahmenbedingungen stimmen."
Doris Hess vom Institut für angewandte Sozialforschung (infas) hat die Situation und die Einstellungen von jungen Frauen zu Beruf und Familie untersucht. Inzwischen seien zwar 66 Prozent der Frauen in Deutschland erwerbstätig. Aber sie arbeiteten meistens nur Teilzeit oder gingen einer geringfügigen Beschäftigung nach. "Die Frauen möchten Beruf, Familie und feste Beziehung unter einen Hut bringen. Damit dies möglich ist, muss sich aber die Arbeitswelt von Frauen und Männern verändern."
Eric Thode, Fachreferent der Bertelsmann-Stiftung, untersuchte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im internationalen Vergleich. In Deutschland fehle es insbesondere an Betreuungsangeboten für unter Dreijährige. Zudem gebe es zu wenig Anreize für die Frauen, rasch in den Beruf zurückzukehren. "Allerdings befindet sich Deutschland derzeit im Übergang. Der Druck auf die Frauen erwerbstätig zu sein, sei größer geworden. Familienunterstützende Dienstleistungen müssten weiter ausgebaut und die Geringfügigkeitsfallen bei Minijobs abgeschafft werden."
Zur Situation von Frauen mit Behinderung im Erwerbsleben stellte Christiane Kröger von der Forschungsgruppe Pflege und Gesundheit ihre Untersuchungsergebnisse vor. Sie hatte erwerbstätige Frauen mit Handicap zwei Jahre lang begleitet und über ihre Situation befragt. "Entgegen aller Vorurteile haben Frauen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung nicht mehr Fehltage als andere Mitarbeiter." Ein großes Problem sei aber, dass die Frauen dazu neigten, ihre Behinderung zu verstecken. Die führe dann zu Missverständnissen und teils auch zu geringer Akzeptanz in den Teams. Die Frauen nähmen bis zur völligen Erschöpfung am Arbeitsleben teil. Hilfreich seien ein eher offensiver Umgang mit der Erkrankung und eine Begleitung der Frauen durch externe psychologische Berater.
