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Europäischer Protesttag - Gemeinsame Aktionen zum 5. Mai

Landesweiter Protesttag am 5. Mai 2026: Wir kämpfen weiter für einen öffentlichen Nahverkehr ohne Barrieren

Alle Menschen – ob mit oder ohne Behinderung – müssten den öffentlichen Bus- und Bahnverkehr ohne Barrieren nutzen können. Doch die Realität ist eine andere! Überall lauern Hindernisse, wie kaputte Aufzüge, zu hohe Ein- und Ausstiege bei Bus und Bahn und anderen Hürden.

Der Landesbehindertenrat NRW und das landesweite Bündnis Sozialverträgliche Mobilitätswende haben deshalb auch dieses Jahr zu Aktionen in ganz NRW aufgerufen. Der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung (5. Mai) diente dabei als Anlass, aber natürlich fordern wir an 365 Tagen im Jahr dazu auf, alle Barrieren abzuschaffen, die Menschen von ihrem Recht auf Teilhabe ausschließen. Auch diesmal haben wir Einzelpersonen und Organisationen zu kreativen Formen des Protests im ganzen Land aufgerufen, um auf die Missstände hinzuweisen und Verbesserungen anzumahnen. Wie schon bei der „Protestbündnis-Premiere“ 2025 (siehe unten) anlässlich des 5. Mai 2025 haben wir wieder viele Fotos, Filme und Dokumentationen in Textform erhalten, die deutlich machen, wo der Schuh drückt und wie groß das Problem ist, z.B. barriere- und unfallfrei (und pünktlich) einfach von A nach B zu kommen. 

Die Beispiele, die Sie hier sehen, werden wir auch in einem Film zusammenfassen und die Landespolitik mit den Eindrücken von den zahlreichen “Baustellen” konfrontieren. Sie haben Fragen, wollen sich auch zu Wort melden oder benötigen weitere Infos?  Melden Sie sich gerne: 

Kontakt: Dr. Michael Spörke, Leiter Sozialpolitik SoVD NRW, Tel.0211 3860313, E-Mail: m.spoerke@sovd-nrw.de

Essen

Diese Fotos stammen von einer Demo in Essen. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen in Essen e.V. nahmen an dieser Veranstaltung teil. Herzlichen Dank an die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Angela Ströter, für die eindrucksvollen Fotos. Es ging durch die Essener City und an mehreren Stationen gab es verschiedene Aktivitäten, z.B. Ansprachen von Menschen mit Behinderung und von Essener Kommunalpolitiker/innen. Auch der Landtagsabgeordnete Dennis Sonne war vor Ort. Für Aufsehen sorgte auch ein Walking-Act des Maskentheaters "anders eben".

 

Düsseldorf

Düsseldorf hängt bei der Barrierefreiheit von Haltestellen sehr zurück, beklagt der VCD Düsseldorf. Bei der Stadtbahn (Hochflurnetz) und bei der S-Bahn sei das besonders problematisch. Der VCD fordert, dass mit Priorität wichtige Knotenpunkte der Hochflurstrecken und der S-Bahn zügig und mit konkretem Zeitplan umgebaut werden. Aber zur Barrierefreiheit gehöre mehr: kurze Fußwege, verständliche Information, ausreichendes Platzangebot. 
"Grundsätzlich sind Bahn und Bus in Düsseldorf gut aufgestellt, was die Angebotsqualität betrifft, jedenfalls wenn es um die städtischen Straßenbahnen und Buslinien geht und die durch Baustellen und Staus verursachten externen Störungen unberücksichtigt bleiben.
Aber bei der Barrierefreiheit hängt Düsseldorf weit zurück: Im Hochflurnetz (d.h. die Stadtbahn-Linien U74 – U81 mit 1 m hohem Fahrzeug-Boden) fehlen Hochbahnsteige noch an 20 Haltestellen. Da geht es nicht um einige Zentimeter, die zwar nicht mit Rollstuhl, aber noch mit Kinderwagen oder Rollator zu meistern wären, sondern um 3-4 Stufen, und es sind große Umsteigeknoten dabei. Aber auch wichtige S-Bahnhöfe fehlen noch, und da geht es um lange Treppen zum Bahnsteig (und häufig zusätzlich um eine Stufe zwischen Bahnsteig und Fahrzeug). Einiges hat sich schon getan, vieles ist in der Planung. Aber es geht zu langsam, Prioritäten und Zeitperspektive sind unklar."

Bei der S-Bahn in Verantwortung von VRR und DB sei mehr kommunaler Druck nötig: “Der VCD Düsseldorf fordert, dass mit Priorität wichtige Knotenpunkte der Hochflur-Stadtbahn und der S-Bahn zügig und mit konkretem Zeitplan umgebaut werden. Einige Haltestellen sind Teil offener Neuplanungen in den Bereichen Messe (U78 /U80), Eller (U75 /701) und Südstrecke (U76 /U72). Wir wollen aber nicht noch viele Jahre warten. Wenn möglich und nötig, sind provisorische Hochbahnsteige einzurichten. Jedenfalls sollte vor großen Neuprojekten erst eine ausreichende bis gute Qualität im Bestandsnetz auf den Weg gebracht werden. Wir sollten darüber reden. Es ist auch darauf zu achten, dass barrierefreie Zugänge zu S- und U-Bahnhöfen gut erkennbar und ohne große Umwege erreichbar sind. Und an Aufzügen ist oben direkt anzuzeigen, in welche Richtung es unten geht. An Stadtbahn-Haltestellen sollte erkennbar sein, welche Linie „niederflurig“ ist. Für den Düsseldorfer Hbf sind an Bahnsteigen zweite Aufzüge bzw. Rampen (am anderen Bahnsteigende) anzustreben, die endlich auch für Fahrräder geeignet sind und Wege- und Wartezeiten reduzieren. Fahrgäste mit Rollstühlen, Rollatoren, Fahrrädern, Kinderwagen, kleinen Kindern oder großen Koffern stehen heute an den Aufzügen häufig in der Schlange und verpassen Anschlüsse. Es gibt noch viele weitere Stationen im Schienennetz, die nicht barrierefrei sind, z.B. an den Wehrhahn-Linien U71-U73. Darauf soll hier nicht eingegangen werden. Und beim Ausbau geht es auch um Aufenthaltsqualität: mehr Sitzbänke, gutes Licht, und ein Dach, unter dem alle Wartenden vor Regen und Wind und Sonne geschützt sind. Barrierefreiheit ist mehr als bauliche Anpassung. Es braucht auch:

  • kurze Wege zur Haltestelle und beim Umstieg, das ist häufig die größte Barriere für schwer Gehbehinderte (dafür ist inklusiver Bedarfsverkehr ab Haustür in der ganzen Stadt nötig, der mit dem Linienverkehr gut verknüpft ist, Taxi ist für den Alltag zu teuer
  • behinderungsrechte Umsteigezeiten (auch mit Rollator oder Kinderwagen muss ich einen wichtigen Anschluss erreichen können)
  • ausreichendes Platzangebot, so dass man mit Kinderwagen oder Rollator in der Hauptverkehrszeit überhaupt in die Fahrzeuge hineinkommt
  • barrierefreier Ersatzverkehr bei Sperrungen und Baustellen
  • verständliche Information und Nutzerfreundlichkeit, z.B. mehrsprachige Information, gut lesbare Schrift, klare Wegweisung mit Schildern, Ticketkauf bei Reisebeginn auch ohne Smartphone bzw. Bankkonto u.a.m.
     

Fotos: © Iko Tönjes, VCD Düsseldorf

Bielefeld

“Alle Menschen – ob mit oder ohne Behinderung – müssen den öffentlichen Bus- und Bahnverkehr ohne Barrieren nutzen können. Doch die Realität ist eine andere! Überall lauern Hindernisse, wie zu hohe Ein- und Ausstiege bei Bus und Bahn und anderen Hürden”, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung des VCD OWL und der Bürgerinitiative Sichere Detmolder Straße. Dort, auf der Detmolder Straße in Bielefeld, steht der nachträgliche Bau von Hochbahnsteigen an den Haltestellen August-Bebel- und Teutoburger Straße immer noch aus. Menschen mit Rollstuhl und Rollatoren haben ohne Hilfe keine Chance, in die Stadtbahn einzusteigen. Denn Rollstühle und Rollatoren müssen hochgehoben werden, um den Höhenunterschied auszugleichen. Und das in der Bielefelder Innenstadt! 

Die Beschlusslage des Rates sei eindeutig, heißt es in der PM, die Politik habe zugesagt, den “barrierefreie(n) Ausbau der Stadtbahn so schnell wie möglich” umzusetzen: „Wir pochen daher auf die Selbstbindung des Nahverkehrsplans für die Kommune, die ihn schließlich 2021 aufgestellt und beschlossen hat!“ so Rita Stuke für die Bürgerinitiative Sichere Detmolder Straße. Der Rat der Stadt Bielefeld habe die Verpflichtung, die Umsetzung des Nahverkehrsplans politisch zu kontrollieren, so die Kritik: “Der gesetzlich vorgegebene Endtermin für die Herstellung der Barrierefreiheit im ÖPNV war bereits der 1.1.2022 (Personenbeförderungsgesetz). Dieser wurde im Nahverkehrsplan bereits um 5 Jahre bis zum 1.1.2027 verschoben. Bereits 2020 hatte die Stadtverwaltung Entwürfe einer Vorplanung vorgelegt. Ziel sollte 2024 die Planfeststellung sein. Seit zwei Jahren ist Bielefeld auch damit wieder im Verzug!” 

Die klare Forderung daher: "Die Stadt soll den gesetzlichen Vorgaben des Personenbeförderungsgesetzes nachkommen und die Zusagen in ihrem beschlossenen Nahverkehrsplan einhalten!“ (Martin Schmelz, VCD-OWL). 

“Die Stadtbahn kommt, die Trittstufen fahren herunter, Menschen mit Rollstuhl und Rollator können ohne Hilfe nicht einsteigen, die Trittstufen fahren wieder hoch und die Menschen bleiben an der Haltestelle zurück!”, so der Protest vom VCD-OWL und der Bürgerinitiative. 

Countdown zum 5. Mai 2026

Am 22.4.2026 traf sich der SoVD-Kreisverband Bochum ,um auf die täglichen Hindernisse im ÖPV aufmerksam zu machen. Teilnehmende waren: Elke Köhn, Fredi Boczkowski und Thomas Antenbrink. Die Aktion fand statt an der Haltestelle,“ Markstr/ Gesamtschule. 

Die Stadt Bochum hat versucht mit einer Teeranhäufung den Höhenunterschied zum Bus auszugleichen. Das ist leider nicht gelungen. Menschen mit Rollatoren haben keine Chance, in den Linienbus einzusteigen. Der Rollator muss hochgehoben werden, um den Höhenunterschied auszugleichen. 
Solche Beispiele sammeln wir, produzieren einen “Protestfilm” und werden die Landespolitik damit konfrontieren. 

Dokumentation von Joachim Marx von der Behindertengemeinschaft Bonn e.V.

Hier sind mehrere Bilder, welche die Probleme im ÖPNV darstellen welche für in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen vermeidbare Barrieren darstellen.

Bild 1:

Zeigt eine eingerichtete Ersatzhaltestelle für den Regionalverkehr

Es liegt hier eine gleich 3fache Behinderung vor.

  • Es wird ein Schwerbehindertenparkplatz blockiert
  • Es wurde in naher Umgebung kein Ersatz für diesen eingerichtet
  • Das Ein- und Aussteigen aus dem Ersatzbus ist mangels Bordsteinkante nicht möglich da auch die Rampe beim ausklappen zu steil ist.

Bild 2:

Zeigt eine Ersatzhaltestelle deren Ausstieg oder Einstieg nicht möglich ist, da die Rampe beim ausklappen mindestens 20% Steigung/Gefälle produziert und endet in einer tiefen Pfütze. Dies ist mit keinem Rollstuhl zu bewältigen, auch mit Hilfe nicht ,ohne Schaden an der Person oder des Hilfsmittels zu verursachen.

Bild 3:

Ein Bus hält so an der Haltestelle das die Rampe nicht ausklappbar ist, da das Haltestellenschild als auch der Mülleimer 30cm vom Bordstein entfernt aufgestellt wurden.

Bild 4:

Zeigt wie eine komplette Haltestelle mit großen Müllcontainern so zugestellt wird, dass ein Ein- und Aussteigen mit Rollstuhl /Rollator oder Kinderwagen nicht mehr möglich ist.

Danke an Jana Jadron von der BG Bonn e.V. für die Kontaktaufnahme und an Joachim Marx für die Einreichung dieser Foto-Dokumentation! 

Kontakt und Infos zur BG übrigens hier: www.bgbonn.org


Dr. Michael Spörke im ARD-MorgenmagazinRückblick auf 2025: Protesttag begann mit Live-Auftritt im Fernsehen

Der 5. Mai, der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, begann für den SoVD NRW mit einem großen Auftritt in den Medien. Dr. Michael Spörke durfte am frühen Morgen gleich zweimal live im ARD-Morgenmagazin Auskunft geben. Er schilderte, welche immensen Probleme es im Bus- und Bahnverkehr gibt, wodurch diese Barrieren entstanden sind und was getan werden muss, damit sie möglichst schnell zum Wohle aller, die mobil sein wollen und mobil sein müssen, verschwinden! 

Infos des ARD-Morgenmagazins und Studiogespräch zum Thema Barrieren

Nach einer Pressekonferenz des ADFC in Duisburg ging es dann in Begleitung eines Journalisten der NRZ mit dem ÖPNV zur Abendveranstaltung in Gelsenkirchen. Die dabei entstandene Reportage spricht Bände! 

Konkrete Beispiele zeigen Ausmaß der Probleme im ÖPNVFilm-Doku zu unserem gemeinsamen Protesttag am 5. Mai

  

Barrieren bei Bus und Bahn - Resonanz auf Aufruf überwältigend

Ein Tag im Zeichen des Protests

Barrierefrei von A nach B kommen wollen - ohne Stolperfallen und andere Hindernisse - das müsste eine Selbstverständlichkeit sein. Ist es aber nicht! Damit das nicht so bleibt, hatten wir uns Bündnispartner gesucht und gemeinsam dazu aufgerufen, die vielen Barrieren sichtbar zu machen, in Form von Fotos, Videos oder sogar ganzen Pressekonferenzen zu dokumentieren, was alles schief läuft, nicht so funktioniert wie es sollte. 

Jetzt, wo ein sehr anstrengender, aber auch erfolgreicher Protesttag hinter uns liegt, können wir sagen: Die Resonanz war schier überwältigend und aller Mühen wert! So viele Menschen haben mitgemacht, sich eingebracht, uns Fotos und Videos geschickt, haben sich auf den Weg gemacht, Beispiele gesammelt, Barrieren entlarvt, Mitmach-Aktionen organisiert und vieles mehr. Da hat die neue Bahn gar nicht die gleiche Bodenhöhe wie der Bahnsteig, Busfahrer weigern sich, die Rolli-Rampe auszufahren, Aufzüge sind monatelang außer Betrieb, Rolltreppen streiken, Leitsysteme und Durchsagen fehlen. Eine verheerende Bilanz! Da passt das Motto einer früheren Kampagne des SoVD NRW nur zu gut: "Ich bin nicht behindert. Ich WERDE behindert!"

Gemeinsam mit Umwelt- und Naturschutzverbänden, Gewerkschaften und weiteren Verbänden aus dem landesweiten Bündnis Sozialverträgliche Mobilitätswende NRW arbeiten wir daran, Handlungsdruck aufzubauen. Auch die Behindertenverbände unter dem Dach des Landesbehindertenrat NRW sind dabei. Wir sind also ganz schön viele! Wir werden die Politik mit unserer Dokumentation konfrontieren und es wird einen Film geben, der die Lage mit den vielen gesammelten Beispielen auf den Punkt bringt und zu sofortigem Handeln mahnen wird. 

Diskussion mit Politik und Verwaltung 

Bereits am Abend des 5. Mai haben wir Politik und Verwaltung mit unserer Bestandsaufnahme und unseren Forderungen konkrontiert. Es war ein guter, richtig konstruktiver Austausch mit klaren Handlungsimpulsen. Ohne finanzielle Mittel für Land und Kommunen geht es nicht, klar. Aber die öffentlichen Träger müssen sich viel besser abstimmen, wenn es um den ÖPNV geht! Und Menschen, die sich mit Barrieren und den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderung auskennen, müssen viel, viel stärker in die Prozesse eingebunden werden! 

Hier sehen Sie, wer im Wissenschaftspark Gelsenkirchen alles mitdiskutiert hat: (PROGRAMM)

Interview mit Dr. Michael Spörke - Worum geht es am 5. Mai?


Fotos zeigen Barrieren (oder auch löbliche Positivbeispiele) aus ganz NRW


Wir werden alles tun, um gemeinsam dafür sorgen, dass Barrierefreiheit im ÖPNV kein leeres Versprechen bleibt, sondern endlich Realität wird. Und wir freuen uns über alle, die uns dabei unterstützen!

Euer Bündnis Sozialverträgliche Mobilitätswende NRW und der Landesbehindertenrat NRW