Kindererziehungszeiten – warum Väter frühzeitig handeln sollten

Jan König war stolz, als sein Sohn geboren wurde. Die ersten Monate war er zu Hause, hat gewickelt, gekocht, kaum geschlafen – das volle Elternprogramm. An Rente hat er da nicht gedacht. Warum auch? Schließlich war er jung, die Rente in weiter Ferne und seine Aufgabe bestand im Dasein fürs Kind.
Was viele Väter nicht wissen: Die Kindererziehungszeiten werden automatisch der Mutter zugeordnet, weil sie in der Praxis meist den größeren Anteil an Betreuung und Pflege übernimmt. Diese Regelung soll die Lebensverhältnisse abbilden. Auch wenn der Vater in Elternzeit war und das Kind überwiegend betreut hat, muss er einen Antrag stellen, wenn er möchte, dass diese Zeit ihm für die Rente angerechnet wird.
Konkret heißt das: Die ersten drei Lebensjahre eines Kindes zählen als sogenannte Kindererziehungszeiten und bringen wichtige Rentenpunkte. Sie werden aber standardmäßig der Mutter zugeschrieben, es sei denn, beide Eltern regeln etwas anderes. Wer nichts unternimmt, geht leer aus, auch, wenn er in dieser Zeit tatsächlich zu Hause war.
Jan hat das nicht gewusst. Als er viele Jahre später seinen Rentenverlauf prüft, fehlten genau die zwei Jahre, in denen er Elternzeit genommen hatte. Die Rentenversicherung verlangte plötzlich Nachweise wie Arbeitszeitmodelle, Meldebescheinigungen, Elterngeldbescheide. Vieles davon war längst verloren.
Deshalb gilt: Wer Kinder erzieht, sollte frühzeitig klären, wem die Erziehungszeiten angerechnet werden sollen. Es genügt ein gemeinsamer Antrag bei der Rentenversicherung, am besten unmittelbar nach der Kindererziehungszeit. Fehlt die Zustimmung der Mutter, etwa nach einer Trennung oder wenn sie verstorben ist, kann die Übertragung scheitern oder sehr kompliziert werden. Wer sich früh kümmert, spart sich späteren Papierkrieg und Ärger mit Nachweisen, die oft nicht mehr greifbar sind.
Der SoVD hilft dabei, Anträge richtig zu stellen, Unterlagen frühzeitig zu sichern und Rentenlücken zu vermeiden. Denn wer erzieht, verdient nicht nur Respekt, sondern auch eine faire Absicherung.