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Corona und Ihre GeschichteSoVD-Mann Günter Hacker berichtet über seine sehr weitgehende Erfahrung mit dem Virus

Wir haben unsere Mitglieder in dieser Zeitung dazu aufgerufen, sich gerne zum Thema Corona zu melden. Nach mehreren Berichten über Einsamkeit, die Einschränkungen oder die Stigmatisierung von Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen können, haben wir nun den ersten Bericht eines unmittelbar Betroffenen erhalten. Der Vorsitzende des SoVD-Kreisverbands Günter Hacker war im Herbst an Corona erkrankt. Wir sprachen mit ihm am Telefon über den Krankheitsverlauf und die Folgen. Hier seine Schilderungen:

Ich bin da unbedacht rein geraten und war völlig ahnungslos. Die schlechte Nachricht kam vom Hausarzt, als dieser mich durchcheckte. Daraufhin hab ich mich erst einmal nachhause begeben und auf die Couch gelegt. Dann aber wurde es tatsächlich schlimmer. Ich bekam Fieber und fühlte mich immer schlechter und dann am Ende so schlecht, dass meine Frau sagte: Los, wir müssen ins Krankenhaus. In Gladbeck war aber kein Isolierzimmer frei! So wurde ich in Dorsten eingeliefert. Und da lag ich dann und ließ in dem Isolierzimmer alle Untersuchungen über mich ergehen. Das war nun meine Bleibe für viele Tage. Ich bekam viele Medikamente. Irgendwann waren Fieber und Schüttelfrost weg. Im oberen Bereich meiner Lungen wurden auch Corona-Viren entdeckt. Das war ein Schock für mich. Da habe ich echt gedacht: das war es jetzt. Ich wurde zusätzlich mit Sauerstoff versorgt, wurde dafür aber nicht in ein Koma versetzt. Ich gehörte zwar letztlich nicht wirklich zu den Menschen, die mit dem Tode rangen. Aber die seelische Belastung, die war nicht weit davon entfernt, ehrlich gesagt. Die tagelange Einsamkeit, nicht raus können, wie eingesperrt leben – es war schrecklich. Ich fühlte mich einfach nur elend, am Ende. Wenn die Krankenschwestern mit ihrer feinfühligen Art nicht gewesen wären, ich weiß nicht, ob ich das so durchgestanden hätte. Die haben mich immer wieder aufgebaut. Man kann diesen Menschen nicht genug danken, muss ich sagen.

Das alles ist jetzt einen Monat her. Und es geht wieder, den Umständen entsprechend. Kurze Spaziergänge sind möglich, wenn die nächste Parkbank nicht zu weit ist. Die Bewegungsfreiheit wieder zu haben, dafür bin ich sehr dankbar. Wer so etwas durchgestanden hat, der wird ganz sicher nicht zum Corona-Leugner, das steht mal fest. Ich werde wirklich stinksauer, wenn ich höre, dass da Leute von Diktatur sprechen, wenn es um die getroffenen Maßnahmen und nötigen Einschränkungen geht. Das ist keine normale Grippe! Wir müssen aufeinander Acht geben und uns eine Weile einschränken. Und es gibt da auch nichts zu leugnen! Vielleicht hilft mein Bericht ja in dieser Hinsicht, ich würde es mir zumindest wünschen.