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Situation geflüchteter Frauen in Deutschland

Jutta König, Landesfrauensprecherin des SoVD NRW e.V.

Noch vor einem Jahr war das Thema „Flüchtlinge“ omnipräsent in Medien und Politik. Doch nun ist es merklich stiller rund um das Thema geworden. Auch der SoVD NRW hat besorgt auf die Situation von Flüchtlingen geblickt und Forderungen an die Politik und Gesellschaft aufgestellt.

Ein Drittel der nach Europa Geflüchteten sind Mädchen und Frauen. Kriege und auch frauenspezifische Fluchtursachen wie sexuelle Gewalt, Genitalverstümmelung oder Zwangsheirat zwingen sie ihre Heimat zu verlassen. Dabei sind geflüchtete Frauen besonders schutzbedürftig. Denn es gibt geschlechtsspezifische Unterschiede. Viele Frauen haben Traumatisierungen durch sexuelle Gewalterfahrungen im Herkunftsland, auf der Flucht und auch in Deutschland. Darüber hinaus sind es häufig Frauen, die mit ihren Kindern geflüchtet sind und somit auch die Verantwortung für die Kinder haben. Zudem herrscht in den Herkunftsländern häufig ein traditionelles Rollenverständnis.

Das Leben in Deutschland läuft für viele Flüchtlinge oft anders als erwartet. Den Wünschen nach Sicherheit, Stabilität und Arbeit stehen oft belastende Wohnverhältnisse in Massenunterkünften, bürokratische Hürden und Unsicherheit über die eigene Zukunft gegenüber. Hinzu kommen Rassismus, Diskriminierung und der eigene Statusverlust.

Auch dem Wunsch nach Familienzusammenführung steht oftmals eine sehr lange Zeit der Unsicherheit gegenüber. Solange das Asylverfahren läuft, kann grundsätzlich kein Familiennachzug erfolgen. Familienmitglieder können erst nach der Anerkennung der Asylberechtigung oder der Zuerkennung der Schutzberechtigung der geflüchteten Frau nachkommen. Der Familiennachzug für Flüchtlinge mit dem untergeordneten subsidiären Schutz, wie zum Beispiel Bürgerkriegsflüchtlinge, bleibt in Deutschland ausgesetzt. Betroffen sind vor allem Syrer.

Das Erlernen der deutschen Sprache ist ein wichtiger Grundstein zur Integration. Es existieren leider nicht ausreichend Kurse für Deutsch und es mangelt an Integrations- und Alphabetisierungskursen. Zudem können die Kurse erst nach einem positiven Bescheid zum Asylantrag besucht werden. Dabei kann die Dauer der Bearbeitung des Asylantrages bei einem Jahr und mehr liegen.

„Die psychische Belastung der Frauen ist enorm. Sie wissen oftmals nicht, ob sie bleiben dürfen oder ob und wann ihre Familie nachziehen kann. Hinzu kommen traumatische Erlebnisse, schwierige Wohnverhältnisse in den Unterkünften und zahlreiche Sprachbarrieren im Alltag, im Umgang mit Behörden und bei der medizinischen Versorgung. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Die Frauen müssen das Gefühl bekommen hier sicher zu sein. Das funktioniert nicht, wenn Männer und Frauen Toiletten und Duschen gemeinsam nutzen. Zudem müssen ausreichend Deutschkurse angeboten werden und die Kinderbetreuung während der Kurse muss sichergestellt werden. Darüber hinaus sollen die Frauen über ihre Rechte in Deutschland informiert werden. Nur so können Sie Hilfe in Anspruch nehmen. Auch Dolmetscher werden dringend benötigt. Insbesondere für Frauen aus Eritrea und Somalia. Wir begrüßen die entwickelte RefuShe-App, die leichten Zugang zu Grundinformationen bietet und den geflüchteten Frauen bei der Integration in Nordrhein-Westfalen helfen soll. Auch das Gewaltschutzkonzept ist ein Schritt in die richtige Richtung. Dieses soll in allen Unterkünften des Landes umgesetzt werden. Es ist rechtlich jedoch nicht verbindlich für die Kommunen. Das muss sich dringend ändern.“, so die Landesfrauensprecherin Jutta König.




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