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Pressemitteilung vom 02.04.2005

"Gesundheit hat ein Geschlecht"

"Die Gesundheitsversorgung in Nordrhein-Westfalen ist geschlechtsblind" - das ist laut Ursula Doppmeier, Mitglied des Landtages, das Fazit des Enquête-Berichtes "Zukunft einer frauengerechten Gesundheitsversorgung in NRW sichern". Auf Einladung des Kreisverbandes Gütersloh und seiner Kreisfrauensprecherin Gisela Glasenapp referierte die CDU-Abgeordnete jetzt über die Ergebnisse dieser Enquête-Kommission auf der Kreisfrauentagung im Parkbad.

Der Kommissions-Bericht habe von allen vier Fraktionen des Landtags Zustimmung erfahren, so Doppmeier. Ihm sei unter anderem zu entnehmen, dass noch immer in den meisten Fällen Mensch gleich Mann gesetzt werde und die hormonellen Unterschiede zum weiblichen Organismus übersehen würden. Die zahlreichen, zumeist weiblichen Zuhörer im Gütersloher Parkbad konnten von der Christdemokratin erfahren, dass in Deutschland 90 Prozent der Medikamente nur an Männern ausprobiert würden, die Ergebnisse aber wie selbstverständlich auf Therapien für Frauen übertragen würden.

Die Mitteilung, dass jährlich 167000 Männer aber sogar 240000 Frauen auf Grund von Herzinfarkten sterben, erschreckte die Zuhörer merklich. Diese große Zahl an Frauen sei laut Enquête-Bericht darauf zurückzuführen, dass bei Frauen andere Symptome als bei Männern auftreten, und diese frauenspezifischen Vorzeichen eines Herzinfarktes häufig viel zu spät erkannt würden, wusste Ursula Doppmeier zu berichten. Außerdem würden Risikofaktoren wie Rauchen und die gleichzeitige Einnahme der Antibabypille unterschätzt. Diese Kombination führe zu einem 40-fach erhöhten Sterblichkeitsrisiko durch Herzinfarkt, was durch wissenschaftliche Forschung inzwischen auch eindeutig bewiesen sei.

Weitere Themen des Vortrages von Doppmeier, die auch Vorsitzende der Kreisfrauenunion ist, waren die starken Gesundheitsbelastungen von pflegenden Angehörigen, die psychosoziale Lage von Brustkrebspatientinnen und die Ressourcenstärkung von Müttern, denen in der heutigen Gesellschaft immer mehr aufgebürdet werde, ohne dass sie entsprechende Unterstützung oder Entlastung bekämen.

An den Vortrag schloss sich eine rege Diskussion an und die Frauen des Kreisverbandes Gütersloh waren sich einig, dass die Ergebnisse der Enquête-Kommission viel mehr öffentlich bekannt gemacht werden sollten.